Victor Surbek (1885 - 1975)
Victor Surbek wurde als Sohn eines Arztes in Zäziwil geboren und wuchs ab 1893
in Bern auf. Dort durchlief er das Literargymnasium und besuchte Kurse
in Aktzeichnen und Landschaftsmalen an der Gewerbeschule. 1904–06
Kunstgewerbeschule München, danach zwei Jahre Kunstgewerbeschule
Karlsruhe. 1909– 1911 in Paris, Kopieren im Louvre, Studien an der
Académie de la Grande Chaumière. 1914 Heirat mit der Malerin Marguerite
Frey. Mit ihr leitete er 1915–1931 in Bern eine eigene Malschule.
Während des Sommers meist im elterlichen Landhaus in Iseltwald am
Brienzersee, wo er seit 1919 ein Atelier besass. Viele Reisen in Europa,
auch nach Afrika und Amerika. Italien verdankt Surbek seine ersten und
stärksten künstlerischen Impulse; auch die weiträumigen Landschaften
Tunesiens hinterlassen in seinem Werk Spuren. Zahlreiche Ausstellungen
im In- und Ausland: 1929, 1940 und 1957 Kunsthalle Bern, 1947 und 1964
Kunstmuseum Bern, 1963 Thunerhof, Kunstsammlung der Stadt Thun, 1975 und
1985 Gedächtnisausstellungen in Thun und Steffisburg. Sein gesamtes
druckgrafisches Werk schenkte Surbek dem Kunstmuseum Bern und stiftete
1964 zusammen mit seiner Gattin einen Teil ihrer Werke dem Schloss
Spiez.
Die Spannweite von Victor Surbeks Werk reicht von der
Detailstudie bis zur grossräumigen Landschaft, von der genauen
Schilderung zur stimmungsvollen Impression, vom Porträt zur grossen
symbolischen Figurenkomposition. An erster Stelle stehen Motive aus der
Gebirgswelt, Landschaften sowie Ansichten von Bern. Ausgehend vom Stil
Hodlers und nach einer Periode erdiger Tonigkeit, gelangt Surbek in den
20er Jahren in seinen Tafelbildern zu einer strengen Flächigkeit. Dem
Prinzip der Vereinfachung und der Durchdringung von klarem Liniengefüge
und zurückhaltender Farbgebung bleibt Surbek im allgemeinen treu. Mit
der Zeit verbindet sich der tektonische Aufbau der Bilder mit einer
leuchtenden, fein abgestuften Farbigkeit. Sein Spätwerk tendiert zur
Einfachheit, die Umrisslinie beginnt sich aufzulösen, was zu einer
Entmaterialisierung der Dinge führt.
Die Basis für Surbeks
Schaffen ist die Zeichnung, die sowohl vom Produktionsvolumen her als
auch als grundlegendes Gestaltungsmittel eine bedeutende Rolle in seinem
Gesamtwerk spielt. In ihr lässt sich die Entwicklung vom betont
architektonischen Bildaufbau hin zu einer expressiveren Auffassung
nachvollziehen. Eine zentrale Stellung nimmt auch die Druckgrafik ein,
deren Modellierung und Komposition dem Tafelbild verpflichtet ist,
dieses aber im Spätstil an Entschiedenheit übertrifft. Vielfach sind die
grafischen Blätter als Folgen angelegt. Surbeks Wandmalereien sind aus
der Fläche heraus gestaltet: Farbige geometrische Bezirke unterteilen
das Bild und bilden den Hintergrund für ornamentale Naturformen und
illusionistische Szenen.
Surbeks zeichnerisch scharfe Erfassung
der Landschaft und die merkwürdige Mischung altmeisterlicher und
moderner Züge ist der Tradition Hodlers verpflichtet. Surbek zählt zu
den typischen Vertretern der von Heimatverbundenheit und Weltoffenheit
geprägten gegenständlichen Kunst in der Schweiz, die bis in die 50er
Jahre Bestand hatte.
Werke: Kunstmuseum Bern; Zürich, Graphische
Sammlung der ETH; Schloss Spiez; 5 Wandbilder aus der Odyssee, 1928,
Bern, Gymnasium Kirchenfeld, Aula; Beginn der Zeit, 1930, Bern, Zeitglockenturm, Westfassade; Die Jahreszeiten, 1951, Wandbild, Bern, Tiefenauspital, Versammlungssaal .
Quelle: sikart.ch